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?Ein Leuchtfeuer beherzten Handelns“

Chemnitzer TU-Absolvent Bernd Richter aus Fl?ha unterstützt Mariia Boiko aus Kyiv, die mit ihrer Familie aus ihrer Heimat fliehen musste und nun Anglistik/Amerikanistik an der TU Chemnitz studieren kann

Für Mariia Boiko aus Kyiv beginnt jetzt an der Technischen Universität Chemnitz ein neues Leben. Nach ihrer Flucht aus der Ukraine kam sie nach Flöha und lernte dort Bernd Richter kennen, der sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Er sorgte dafür, dass Mariia Boiko gemeinsam mit ihrer Mutter, Großmutter, Schwester, Tante, Cousine sowie einer schwangeren Freundin und deren Tochter in der sächsischen Kleinstadt einen neuen „Lebensmittelpunkt auf Zeit“ gefunden haben. Und Bernd Richter, der von 1989 bis 1994 Maschinenbau an der TU Chemnitz studierte, war es auch, der Mariia Boiko half, dass sie nun an seiner Universität weiterstudieren kann.

Persönliche Unterstützung von Geflüchteten ist wichtig

Für Richter war noch vor einigen Monaten ein Krieg in Europa unvorstellbar. Mit dem völkerrechtswidrigen russischen Angriff auf die Ukraine geriet auch sein Bild von einer stabilen Welt erheblich ins Wanken. Mit Blick auf die einsetzende Flüchtlingswelle war für den 53-Jährigen klar, dass er irgendwie helfen muss. Deshalb engagiert er sich in seiner Heimat Flöha im New Chapter e. V. „Krieg – das sind vor allem viele persönliche Schicksale, die auch an mir nicht spurlos vorübergehen“, sagt er. Eines Tages im Februar 2022 stand Mariia Boiko gemeinsam mit ihrer Familie mit wenig Gepäck vor ihm. „Ich blickte in Gesichter voller Angst“, erinnert sich Richter. Von Mariia Boiko erfuhr er Details ihrer 15-tägigen Odyssee der Flucht aus Kyiv und dem dortigen Bombenhagel. Nach einer 35-stündigen Fahrt in Richtung Polen ohne Tankmöglichkeiten, anschließender Grenzüberquerung zu Fuß, Übernachtung im Flüchtlingszentrum und die ständige Sorge um die Großmutter, die erst mehrere Wochen später aus Mariia Boikos Heimatstadt Sumy fliehen konnte, führte der Weg von Polen aus weiter nach Flöha. „Masha und ihre Familie versuchen, sich heute mit der Situation zu arrangieren. Sie leben in einer kleinen Wohnung, eingerichtet durch Freiwillige. Die Erwachsenen besuchen einen Deutschkurs, durchgeführt von Freiwilligen, und die Kinder gehen mittlerweile zur Schule – dank einer Initiative der örtlichen Schulleiter und Freiwilliger“, erzählt Richter, dem auch an diesem Beispiel klar wurde, wie wichtig eine persönliche Unterstützung von Geflüchteten ist – auch, um sich „im deutschen Behördendschungel“ zurechtzufinden.

Schnelle Hilfe auf dem Weg zum Studium in Chemnitz

Für Mariia Boiko, die bis zu ihrer Flucht an der Universität in Kyiv Informatik studierte, stand fest, dass sie in Deutschland weiterstudieren will. „Gerade jetzt, gerade hier – das bin ich mir, meiner Familie und meinem Land schuldig“, sagt die 17-Jährige. „Angetrieben von diesem Elan machten wir uns im April auf dem Weg zu der Universität, die vor dreißig Jahren mein zweites zu Hause war“, berichtet Richter. Erste Station war das Internationale Universitätszentrum der TU Chemnitz. „Einzige vorzeigbare Dokumente waren drei Handy-Fotos von meinem Abiturzeugnis und dem Immatrikulationsnachweis der Universität Kyiv“, erzählt Mariia Boiko. „Empfangen wurden wir hier von Nadja Hüller mit einem Feuerwerk aus Optimismus, Freundlichkeit, Sprachkompetenz und konstruktivem Handeln. Und heraus gingen wir mit einem Bescheid für einen Deutsch-Kurs, beginnend in der Folgewoche und der Anleitung für eine Immatrikulation“, berichtet die junge Frau. Soll das so einfach sein? Zur Sicherheit fragten sie beim Studierendenservice nach. „Kurze Voranmeldung und wir standen bei Katja Stolpe im Büro. Und anstelle der erwarteten Auflagen gingen wir mit einem Hinweis auf den Studienplan sowie zu weiteren sozialen Unterstützungen aus dem Raum“, erinnert sich Mariia Boiko. Bernd Richter ergänzt: „Wir merkten aber auch, dass es formale Auflagen gibt: Krankenkassen-Nachweis, Semesterbeitrag. Wir lernen zu verstehen, was es bedeutet, in Ausnahmesituationen mit klarem Kopf an die Sache zu gehen und mit dem Herzen eine Lösung zu finden.“ Gleiches Bild wenige Tage später beim Studentenwerk Chemnitz-Zwickau: „Die Sozialberaterin Anke Just hat mir alle Fragen beantwortet – auch diejenigen, bei denen es in anderen Behörden nur Schulterzucken gab“, so Mariia Boiko.

Dankbarkeit aus tiefstem Herzen

Wenige Wochen sind seitdem vergangen. Heute hält Mariia Boiko stolz den Nachweis in der Hand, dass sie vorerst Gasthörerin und voraussichtlich ab Juni eingeschriebene Studentin der TU Chemnitz ist. „Ich möchte jetzt Anglistik/Amerikanistik studieren, denn Verständigung wird künftig an Bedeutung zunehmen. Ich bin hier an der Universität sehr glücklich“, sagt die junge Frau. Die Familie möchte aber, wenn es wieder möglich sein wird, in die Ukraine zurückkehren und beim Wiederaufbau des Landes mitwirken. Bernd Richter ist froh, dass „seine Uni“ und das Studentenwerk so schnell und unkompliziert helfen konnten: „Es ist ein Leuchtfeuer beherzten Handelns und ein kleiner Teil des Kampfes gegen einen so unmenschlichen Krieg.“ Und durch die vielen Gespräche mit Mariia Boiko und ihrer Familie, mit der er mittlerweile befreundet ist, bekam Bernd Richter „wertvolle Eindrücke, von der Klarheit ihrer Sichtweise, ihrem Patriotismus und ihrem Stolz auf das Heimatland Ukraine“. Und Mariia Boiko ergänzt: „Auf dem ganzen Weg von Kyiv nach Flöha und Chemnitz haben uns viele fürsorgliche Menschen geholfen. Ich bin sehr dankbar für all die Freundlichkeit und Hilfe, die uns zuteilwurde, und ich werde mich mein ganzes Leben lang daran erinnern. Ich danke allen aus tiefstem Herzen!“

Mario Steinebach
23.05.2022

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